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11.12.2015

„Fremd in der Sprache“, verbunden im Dialog

„Fremd in der Sprache“ ist der Name eines Projektes, das Schülergruppen der Beruflichen Schule Am Lämmermarkt zusammenbringt, die zwar im gleichen Gebäude zur Schule gehen, die aber meistens bis dahin wenig miteinander zu tun haben: die Klassen des Wirtschaftsgymnasiums Am Lämmermarkt und die der schulischen Nachqualifikation Englisch für Migranten und Migrantinnen (NQE) und der Ausbildungsvorbereitung für Migrantinnen und Migranten (AvM Dual)

Sich gegenseitig kennen lernen, neue Erfahrungen in einer fremden Sprache sammeln, Grenzen überschreiten, sich an eigene Erfahrungen des Fremdseins und Ankommens in Deutschland erinnern, Fragen stellen, Fragen beantworten, das sind die Ziele dieses Projektes. Wie läuft es ab?

Die Schülerinnen und Schüler der NQE und AvM bereiten gemeinsam Situationen vor, die sie selbst auf ihrem langen Weg nach Deutschland erlebt haben: das Ausfüllen eines Fragebogens beim Arzt, das Lesen einer Speisekarte, das Kaufen einer Fahrkarte, die Suche nach einer Adresse (ohne Smartphone) oder das Durchstehen einer Polizeikontrolle. Zu jeder Situation stellen die Schüler und Schülerinnen in ihrer Muttersprache Sprachkarten mit deutscher Übersetzung und Aussprachehilfe zusammen. Diese umfassen jedoch weniger als 12 Wörter. „Wir wollen den Schülerinnen und Schülern aus dem Wirtschaftsgymnasium zeigen, wie es sich anfühlt und wie schwierig es ist, wenn man in einem fremden Land ist und die Sprache nicht spricht.“ (Issa Hassane, NQE 1)

Die Elftklässler erhalten diese Karten und eine Darstellung ihrer Situation. In kleinen Gruppen stellen sie sich dann diesen Situationen, ohne ein Wort Deutsch sprechen zu dürfen. Trotz des sehr einfühlsamen und geduldigen Verhaltens der Sprachexperten stoßen die Schülerinnen und Schüler immer wieder an Grenzen, die ein hohes Maß an Frustrationstoleranz, Improvisationstalent und Kreativität erfordern.

Im Anschluss an dieses Experiment interviewen sich die Schüler und Schülerinnen gegenseitig. Die Familie, die Heimat, Wünsche für die Zukunft sind Themen, aber besonderes Interesse haben die Schüler und Schülerinnen der 11. Klassen an den Berichten der NQE- und AvM- Schülerinnen und Schüler über die Flucht nach Deutschland. Im anschließenden Abschlussgespräch zeigen sich regelmäßig alle beeindruckt von dieser Reise in eine andere Welt und erfreut über die neuen Kontakte. „Es war sehr aufschlussreich und hat uns auf sozialer Ebene weitergebildet. Eine wichtige Erfahrung“, schreibt z. B. Victor ins Gästebuch des Projekts.

Entstanden sind aus diesem Projekt verschiedene Porträts und Sprachtandems zwischen Elftklässlern und NQE-Schülern, die sich regelmäßig, ungefähr einmal wöchentlich, treffen.

Wir möchten allen Schülerinnen und Schülern, die dieses Projekt durchführen, für ihre Offenheit, ihren Mut und ihr Engagement danken. Ohne euch wäre es nicht so ein großer Erfolg.

 

Ansprechpartnerinnen: Birte Knuth, Melanie Neuenstadt

Europaschule in Hamburg